Sudetendeutsche Anliegen klar präsent beim BdV-Jahresempfang
Beim 4. Jahresempfang des Bundes der Vertriebenen (BdV) Baden-Württemberg am 9. Februar 2026 im Haus der Heimat Stuttgart waren die sudetendeutschen Anliegen klar und konstruktiv vertreten. Politik, Gesellschaft und die Verbände der Heimatvertriebenen kamen dort zu einem offenen Austausch zusammen, der zeigte: Die Erinnerungskultur und die Verantwortung für das europäische Miteinander bleiben zentrale Themen.
Podium mit Spitzenpolitikern und sachlicher Moderation
Auf dem Podium diskutierten die Spitzenvertreter der im Landtag vertretenen Parteien: Manuel Hagel (CDU), Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Hans-Ulrich Rülke (FDP) und Dr. Stefan Fulst-Blei (SPD).
Die Gesprächsleitung übernahm Klaus Hoffmann, Landesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft Baden-Württemberg. Seine ruhige, sachliche und strukturierte Moderation sorgte für einen respektvollen, aber inhaltlich klaren Austausch. Mehrere Teilnehmer betonten anschließend, wie wohltuend neutral und gut geführt das Gespräch verlaufen sei.
Schwerpunkte: Landesbeauftragter, Bildung und Dokumentation
Zentrale Themen des Abends waren die Einführung eines Landesbeauftragten für Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler, die Verankerung von Flucht und Vertreibung in der schulischen Bildung sowie die Idee eines landesweiten Dokumentationszentrums.
Während CDU und SPD offen für die Einrichtung eines Beauftragten zeigten, äußerten Grüne und FDP Skepsis gegenüber einer weiteren Ausweitung solcher Ämter. Diskutiert wurde auch, ob ein Beauftragter beim Staats- oder Sozialministerium angesiedelt sein sollte.
Einig waren sich die Diskutanten darin, dass die Vertriebenenarbeit eine verlässliche finanzielle Basis brauche, auch wenn es keine konkreten Zusagen zur Mittelaufstockung gab.
Positiv aufgenommen wurde das klare Bekenntnis zu einer besseren wissenschaftlichen Aufarbeitung und Dokumentation, insbesondere zur Geschichte der Deutschen aus Russland – ein Anliegen, dem sich auch viele Sudetendeutsche verbunden fühlen.
Bildung als Bindeglied zur jungen Generation
Ein zentrales Anliegen der Sudetendeutschen bleibt die stärkere Einbindung der Themen Vertreibung und Neuanfang in den Schulunterricht. Während Dr. Rülke (FDP) die Entscheidung bei den Lehrkräften belassen wollte, sprachen sich Dr. Fulst-Blei (SPD) und Manuel Hagel (CDU) für verbindlichere Unterrichtsinhalte aus.
Für die Sudetendeutsche Landsmannschaft ist klar: Nur wer über die gemeinsame Geschichte spricht, kann aus ihr lernen und Verständnis für europäische Versöhnung fördern.
Europäische Verständigung als Leitgedanke
Zum Abschluss des Abends betonte BdV-Landesvorsitzender Hartmut Liebscher die verbindende Kraft des Dialogs:
„Nur wenn wir miteinander sprechen, können wir Brücken zwischen Generationen, Kulturen und politischen Lagern bauen.“
Klaus Hoffmann ergänzte:
„Der Dialog ist nicht nur innerhalb Baden-Württembergs wichtig. Er ist entscheidend für den weiteren Weg der Sudetendeutschen im Austausch mit unseren tschechischen Nachbarn. Offen aufeinander zuzugehen, zuzuhören und Gemeinsamkeiten zu pflegen – das ist der Weg zu einem Europa, das aus seiner Geschichte gelernt hat und in seiner Vielfalt zusammenwächst.“
Mit dem musikalischen Beitrag des Siebenbürgischen Blechbläserquartetts und einem Stehempfang klang der Abend in einer Atmosphäre des Austausches und der Verbundenheit aus.
Der BdV-Jahresempfang 2026 hat erneut gezeigt: Die Stimme der Heimatvertriebenen und Sudetendeutschen bleibt lebendig – als Stimme des Erinnerns, des verbindenden Gesprächs und des europäischen Geistes.